Übernachten im Kindergarten
Es ist manchmal wirklich interessant zu sehen, dass
Kinder sich durch Dinge/Erlebnisse gestresst fühlen können, die wir Erwachsenen
auf den ersten Blick nicht wahrnehmen.
Gabriel hat heute zum zweiten Mal an einer Schlafnacht im Kindergarten
teilgenommen. (Das erste Mal war vor einem Jahr.) Er hat sich darauf gefreut und
ist auch gerne hingegangen, hat mit keinem Wort gesagt oder sonst wie gezeigt,
dass er sich deswegen unwohl fühlt. Weil in der Gruppe viele kleine Kinder sind
und von den Großen so einige an diesem Wochenende in Urlaub fahren, haben nur 5
Kinder daran teilgenommen, darunter zwei von Gabriels besten Freunden im
Kindergarten, außerdem seine Lieblingserzieherin und zwei Praktikantinnen.
Gestern tagsüber war der Abschluss des Piratenprojektes mit einem Piratenfest
gefeiert worden - inklusive Floß zu Wasser lassen und Schatzsuche. Um 16 Uhr
holte ich ihn ab, um 18 Uhr musste er zur Schlafnacht wieder im Kiga sein, um 9
Uhr heute morgen sollten wir die Kinder abholen. Wie ich hörte, hatte es keine
Probleme gegeben, er war kurz nach 21 Uhr eingeschlafen und um 6 Uhr 15, also
eine Stunde früher als normal, aufgewacht. Sein Mundwerk lief wie üblich die
ganze Zeit
Er war auch gut drauf, hat sich gefreut, mich zu sehen, und dann sind wir mit
einem Freund und dessen Mama noch auf den Spielplatz und zum krönenden Abschluss
zum Kasperletheater (alles direkt in Kiganähe im Park). Das Theater wurde wegen
eines Regengusses etwas vorzeitig abgebrochen. Wir sind dann noch mal zurück zum
Kindergarten um Gabriels Regenausrüstung zu holen... und da fing es dann an. Er
quengelte und jammerte, dass er nicht mehr könne, fast vom Fahrrad falle. Dann,
dass er Hunger habe. Als er in Windeseile das beim Bäcker gekaufte Brötchen
verputzt hatte, waren wir auch schon zu Hause angekommen.
Gestern hatte ich vergessen, Sandmännchen und die KIKA-Serie vorher auf Video
aufzunehmen. Als er das hörte, brach es aus ihm heraus. "Mama, ich will Sindbad
sehen! Sofort!" Eine geschlagene Stunde hat er deswegen geweint und immer nur
diese beiden Sätze wiederholt, dann ist er schließlich vor Erschöpfung
eingeschlafen. Beide Verhaltensweisen: langes Weinen und Mittagsschlaf sind ganz
große Ausnahmen bei ihm.
Ich habe das so verstanden, dass für ihn - obwohl er sich darauf freute und Spaß
dabei hatte - diese Schlafnacht (und das Drumherum) einfach zu viel an Aufregung
waren - und er natürlich außerdem einfach müde war.
Ich bin froh, dass ich sein Verhalten verstehen konnte - das hat mir geholfen,
"cool" zu bleiben und ihn in seinem Kummer zu trösten. Eine Stunde
ohrenbetäubendes Weinen bei einem fast 6jährigen während ich den Kleinen in den
Mittagsschlaf stillen wollte, war nämlich für mich ganz schöner Stress!
Roberta