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Schreibaby (Margarita)
Unsere ersten zwei Kinder waren als Babys so pflegeleicht und waren mit allem
zufrieden, die haben vom Anfang an sehr viel gelacht und sehr selten geweint.
Und dann kam Felix … Angefangen hat es noch in der Klinik. Die ersten drei
Nächte waren toll, ich habe ihn gestillt, dann ins Säuglingszimmer gebracht und
ca. nach 2,5 – 3 Stunden bekam er Hunger, wurde zu mir gebracht und dann
schliefen wir zusammen. Da wir zu Hause noch zwei Kinder haben und es so gut
klappte, hab ich mich entschlossen erst nach vier Tagen nach Hause zu gehen, um
noch eine Nacht ruhig zu schlafen. Und so hat es angefangen: in dieser Nacht hat
die Kinderschwester Felix zu mir schon kurz vor eins gebracht, er schrie wie
verrückt. Meine letzte Nacht in der Klinik war furchtbar: Felix schrie und
schrie, stillen, tragen, singen half überhaupt nicht, erst gegen fünf ist er
eingeschlafen. Zu Hause ging es so weiter, die ersten sechs Wochen haben wir die
Nächte nur im Sitzen verbracht, mit Felix auf dem Bauch. Aber er schrie nicht
nur nachts, sondern auch tagsüber. Ich konnte ihn nicht hinlegen, ich konnte
mich nicht hinlegen, er war permanent bei mir auf dem Arm. Ich habe so viele
Ratschläge bekommen, wie noch nie zuvor. Ich sollte mit Felix mehr rausgehen,
ich sollte Felix an den Kinderwagen gewöhnen, ich sollte Felix im Auto rumfahren,
ich sollte… Da unser Mittlerer zu dem Zeitpunkt auch erst 19 Monate alt war,
stand ich sehr unter Druck, ich hatte Angst, dass ich Maxim vernachlässigen
würde, dass er nicht genug Liebe und Aufmerksamkeit bekommen würde, dass er und
seine Schwester nicht genug Schlaf bekommen würden. Es war sehr anstrengend,
unsere Nerven lagen blank, ich war so kraftlos, müde, unausgeschlafen, rastete
ziemlich schnell aus, ich machte mir alle möglichen Vorwürfe, denn ich gab mir
die Schuld an Felix´ Schreien, ich dachte ich wäre nicht gut genug und dass ich
ihm nicht ausreichend Liebe zeigen würde. In dieser Zeit wurde ich auch sehr von
der Umwelt unter Duck gesetzt, denn jeder hatte seine eigene Theorie, was wir
falsch machen würden und warum es unserem Kleinen bei uns soooo schlecht gehen
würde. Dieser Irrtum hat mir 7 Monate aus dem Leben mit meinem Baby geraubt.
Als Felix nun 7 Monate alt wurde und die Situation sich auch nicht verbessert
hatte, habe ich mich damit auseinander gesetzt. Ich habe angefangen, darüber
nachzudenken, woran diese ewige Unzufriedenheit liegen könnte, was wir wirklich
falsch machen würden und das Ergebnis war für mich sehr überraschend: wir haben
überhaupt nichts falsch gemacht, im Gegenteil wir sind die ganze Zeit auf die
Bedürfnisse unseres Kindes eingegangen: Felix wurde gestillt, getragen bis zum
Umfallen, er bekam so viel Körperkontakt wie er wollte, wir haben ihn nie
schreien lassen. Das bedeutete für mich dass dieses Schreien einfach Felix´
Eigenschaft ist und wir unseren Kleinen so hinnehmen sollen wie er ist. Seit dem
geht es uns seelisch viel besser. Wir haben unseren Sohn akzeptiert, wir
erfüllen weiterhin seine Bedürfnisse, wir sind immer für ihn da, wenn es ihm
schlecht geht, egal ob physisch oder psychisch und der Kleine dankt uns, in dem
er sich zu einem Kind verwandelt hatte, der sehr viel lacht, erzählt, schmust,
kuschelt, küsst. Jetzt ist Felix 10 Monate alt und er weint (im Vergleich zu
anderen Babys) immer noch viel, er schläft immer noch schlecht und umso mehr
genießen wir unsere „hellen“ Minuten und die kommen immer öfter vor.
Es tut mir immer noch sehr weh, wenn ich daran denke, dass die ersten Monate
mit Felix an mir vorbei geflossen sind und dass ich mich so unter Druck gesetzt
hatte. Es wäre nicht passiert, hätte ich vom Anfang an meinem Herzen und meinem
Instinkt gefolgt. Hätte ich mich auf meinen Sohn und nicht auf sein Schreien
konzentriert …
Margarita, Dezember 2002
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